Presseberichte

Die Mainzer Rhein-Zeitung berichtete am 29. März 1997 folgendes:

600 Mark für den Sieger

Rheinhessen-Meisterschaften im Schach

MAINZ. GA. Thomas Steinkohl vom SV Worms macht seinen 24. Zug. Drei Stunden sind vergangen, seitdem er mit dem Königsbauern seine siebte Partie im A-Turnier bei den Einzelmeisterschaften des Schachbundes Rheinhessen eröffnet hat. Sein Gegenüber, Peter Faßnacht von den Schachfreunden, überlegt. Dann reicht er dem Wormser die Hand. Faßnacht gibt auf, Steinkohl bleibt auf Titelkurs.

Seit vergangenem Freitag kämpfen im Vereinsheim des TSV Schott Mainz zehn Schachspieler um den Titel in der höchsten Spielklasse, acht bewerben sich um den des Meisterturniers B, 40 sind es im Hauptturnier I, 26 im Hauptturnier II. Da in diesem Jahr erstmalig ELO-Punkte - die internationalen Leistungszahlen der Schachspieler - vergeben werden, ist die höchste Klasse so stark wie selten besetzt.

Faßnacht nimmt zum ersten Mal seit acht Jahren wieder teil. Bis zum Match gegen Steinkohl konnte er sich noch vage Hoffnungen auf den Gesamtsieg und die damit verbundene Prämie von 600 Mark machen. In der zweiten Runde hatte er gegen seinen Vereinskollegen Stefan Spiegel verloren. Doch die Konkurrenten nahmen sich gegenseitig Punkte weg: Spiegel und Steinkohl einigen sich auf ein Remis, Vorjahressieger André Lisanti (Schott Mainz) erreichte nur einen halben Punkt gegen Klaus Künitz (Mombacher SV). Seit der fünften Runde, als er Lisanti schlug, ist Faßnacht wieder "im Geschäft". Gleichauf mit Spiegel und Lisanti lag er vor der siebten Runde einen Punkt hinter dem Wormser.

Während Steinkohl und Faßnacht ihre Partie noch analysieren, streift Spiegel unruhig durch den Raum. Seine Partie gegen Vereinskollege André Leusing läuft noch. Leusing sitzt am Brett und sucht nach dem besten Zug. Lisanti ist schon gegangen, er siegte frühzeitig gegen Holger Göttmann (Schachfreunde). Er bleibt Steinkohl auf den Fersen. Dann einigen sich Spiegel und Leusing auf Remis. Auch Spiegel fällt zurück. Die Entscheidung über den Gesamtsieg fällt erst in der letzten Runde, in der sich Steinkohl und Lisanti gegenübersitzen. Die Partie am gestrigen Freitag war bei Redaktionsschluß noch nicht beendet.


Die Mainzer Rhein-Zeitung berichtete am 1. April 1997 folgendes:

Bei den Rheinhessen-Meisterschaften im Schach im Schott-Vereinsheim dominierten die Wormser Vertreter - Doppelsieg für Steinkohl

Einheimische waren nur zahlenmäßig überlegen

Beutel nur zweimal bezwungen - Spannendes Schnellschach-Finale

MAINZ. GA. Es scheint ein Markenzeichen von Jens Beutel zu sein, favorisierte Kontrahenten knapp zu überflügeln. Er bewies es im Kampf um den Sessel des Mainzer Oberbürgermeisters, er stellte es beim Schnellschach-Turnier im Rahmen der Rheinhessen-Meisterschaften erneut unter Beweis. Er gewann fünf von sieben Partien und ließ unter anderem den Mitfavoriten Tillmann Vogler vom Zweitbundesligisten TSV Schott Mainz hinter sich. Zum Gesamtsieg reichte es diesmal jedoch nicht. Der OB in spe, der für den SV Mombach ans Brett geht, wurde punktgleich mit dem viertplazierten Michael Morlo, einem weiteren Schott-Zweitligaspieler, Fünfter im 30 Spieler starken Feld.


9 Tage Figuren geschoben

Mainzer Schachspieler hatten bei diesen Rheinhessen-Meisterschaften die zahlenmäßige Überlegenheit. Kein Wunder, schließlich wurden die Figuren neun Tage lang im Vereinsheim des TSV Schott Mainz über die Bretter geschoben. Doch die Akteure aus Worms stahlen den Einheimischen die Schau. Thomas Steinkohl vom SV Worms 1878 gewann nicht nur das Meisterturnier A, er siegte auch bei der anschließenden Schnellschach-Meisterschaft. Sein Vereinskollege Patrick Boos wurde Erster des Meisterturniers B. Nur in den unteren Kategorien, dem Hauptturnier I und II hatten Mainzer die Nase vorn. Ralph Ottstadt (Schott) und Benjamin Luig (Theresianum) hießen die Sieger.

Steinkohl hatte nach der fünften Runde des Meisterturniers die alleinige Führung übernommen. Es blieb aber spannend bis zur neunten und letzten Runde. In Runde acht remisierte der Wormser, Vorjahressieger André Lisanti (Schott) kam bis auf einen halben Punkt heran. Im Abschlußdurchgang trafen dann die beiden Führenden aufeinander. Steinkohl reichte ein erneutes Remis, um sich den Gesamtsieg und die damit verbundene Prämie von 600 Mark zu sichern, Lisanti wurde Zweiter.

"Ins Geld" rutschte auch noch Peter Faßnacht (Schachfreunde Mainz) als Dritter. Sein Teamkollege Dr. Stefan Spiegel, vor Runde sieben noch punktgleich mit Faßnacht und Lisanti Zweiter, fiel in den letzten drei Partien auf den fünften Rang zurück. Im achten Durchgang unterlag er Lisanti, im neunten dann auch noch Ryszard Grossmann (Gau-Algesheim). "Gegen Lisanti habe ich schlecht gespielt. Das kann vorkommen. Man sitzt vor dem Brett und es fällt einem nichts ein. In der letzten Runde habe ich dann nur noch draufgeprügelt. Es war ein offener Kampf. Man spielt eben hopp oder top, wenn es nicht mehr um den Sieg geht", erläuterte Spiegel.


"Gespenst gesehen"

Beim Schnellschach-Turnier wären um ein Haar in der Endabrechnung vier Spieler punktgleich gewesen. In der letzten Partie bot Steinkohl Michael Morlo ein Remis an. Beide hätten dann 5,5 Punkte gehabt ebenso wie Spiegel und sein Teamkollege Ingo Münch. Letzterer wäre der eigentliche Nutznießer gewesen und aufgrund der Wertungspunkte Erster geworden. Morlo aber hätte dies nichts gebracht. Er hatte von den vieren die schlechteste Wertung und wäre Vierter geblieben. Deshalb lehnte er Steinkohls Offerte ab und unterlag schließlich trotz eines Mehrbauers und deutlichen Zeitvorteils. Steinkohl stand jedoch wesentlich besser. Der konnte sein Remis-Angebot später selbst nicht mehr verstehen. "Ich habe ein Gespenst gesehen", gab er seinen folgenlosen Irrtum zu.

Münch wurde Zweiter. Neben Steinkohl war er der einzige Spieler ohne Niederlagen. Die beiden Erstplazierten trennten sich im direkten Aufeinandertreffen mit einem Remis, Münch gab zudem gegen Spiegel und Vogler halbe Punkte ab.

Steinkohl remisierte außerdem gegen Nachwuchsspieler Daniel Kiefer (Schachfreunde). Der 16jährige Kiefer war übrigens neben Peter Faßnacht der einzige, der Jens Beutel bezwang. Dennoch war der SPD-Politiker, der 1984 und 1986 zweimal den Rheinhessen-Titel im Meister-A-Turnier holte, mit seinem Abschneiden zufrieden: "Viereinhalb Punkte wollte ich holen, fünf habe ich geholt, und das obwohl ich im ganzen letzten Jahr keine Partie gespielt habe."